Berlin Calling: Klangkünstler Alvin Lucier in der UdK. Das Sonar-Quartett am Rande des Wahnsinns. Sommerwind und Sternenfall mit und von Pintscher. Den Raum erkunden in der Staatsoper. Außerdem: Die Lautten Compagney bei den Händelfestspielen in Halle. Hamburger Schnack mit Rocko Schamoni und Charly Hübner über Mahlers Neunte. Musiktheater als reine Privatsache in München.

Text VAN Redaktion · Titelbild © Eike Walkenhors · Datum 30.5.2018

Was: As On A Sunshine Summer’s Day: Von Jakobitenaufstand bis zu Bacchus und den Satyrn ist dieser Abend den English Songs von G. F. Händel gewidmet. Mit der Lautten Compagney Berlin und Tora Augestad unter der Leitung von Wolfgang Katschner.

Raum und Zeit: 30. Mai, St. Georgen-Kirche Halle, im Rahmen der Händel Festspiele.

Zitat: »Kontrastieren, Konfrontieren, Mischen und Aufmischen ist bei der Lautten Compagney Programm. Aber eben nicht um des Effektes willen und schon gar nicht aus Provokation um der Provokation willen, sondern immer mit Witz, Selbstironie und fast kindlicher Experimentierlust.« Albrechte Selge schwärmt in VAN von einer Landpartie mit der Lautten Compagney.

In VAN #148: Neuruppin Tag und Nacht. Mit der Lautten Compagney.

Was: Auditive Kunst mit Alvin Lucier and The Ever Present Orchestra – Konzert und Konversation: Das Orchester hat sich auf die Arbeiten des amerikanischen Komponisten und Klangkünstlers spezialisiert und spielt seine Werke Two Circles (2012), Tilted Arc (2018), I Am Sitting in a Room (1969) und die Uraufführung eines neuen Werks. Gespräch mit dem Komponisten im Anschluss.

Raum und Zeit: 31. Mai, UdK Konzertsaal Bundesallee, Berlin

Zitat: »Das Ganze ergibt einen etwas eintönigen Sound, wobei es faszinierend ist, wie durch diesen simplen Eingriff die Kunstwerke plötzlich zum Leben erweckt werden. Lucier gelingt es mit dieser simplen Anordnung, sowohl Fragen nach dem Status des Bildes als auch nach dem des Sounds anzustoßen – was mir ziemlich großartig erscheint. Lucier, der 1931 in den USA geboren wurde, ist bekannt für seine minimalistische, experimentelle Klangkunst, die er seit Mitte der 1960 in Form von Kompositionen und Performances entwickelt.« Anna-Lena Wenzel begeistert sich in VAN für die Kompositionen von Alvin Lucier.

In VAN #118: Musik auf der Documenta – ein Rundgang.

Was: Sommerwind und Sternenfall: Matthias Pintscher dirigiert das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin. Mit Mendelssohns Schottischer, Anton Weberns Im Sommerwind und Pintschers eigener Komposition Chute d’étoiles − Hommage à Anselm Kiefer. Die beiden Trompeten übernehmen Clément Saunier und Simon Höfele.

Raum und Zeit: 31. Mai, Berliner Philharmonie

Zitat: »Es gibt keine Tränen, wenn du schreibst. Vielleicht davor oder danach, aber nie währenddessen. Du suchst. Für mich ist es wie japanische Kalligraphie. Alle Inspiration und Vorbereitung läuft auf den Punkt zu, an dem du deinen Pinsel in die Tinte tauchst und den Strich, das Zeichen, die Geste ausführst. Vielleicht bereitest du dich zwei Tage darauf vor oder 20 Jahre. Aber du kannst es nicht ändern. Es ist vollbracht. Und es repräsentiert eine Art der Perfektion. Auch wenn in der Geste nur ein Hauch von Perfektion ist, gilt das.« Matthias Pintscher komponiert niemals aus dem Gefühlschaos heraus.

In VAN #116: Matthias Pintscher spricht über die Prinzipien seiner Arbeit als Dirigent und Komponist.

Was: Bei den Abstract Pieces stehen Bewegung, Körper und Licht ebenso im Fokus wie Musik und Text und der Raum selbst wird zum Thema. Inszenierung, Komposition und Konzept von Manos Tsangaris. Mit Marielou Jacquard und Martin Gehrke.

Raum und Zeit: 31. Mai, 2. Juni und 3. Juni, Staatsoper Unter den Linden, Berlin

Zitat: »Mich interessieren diese mikroskopischen Situationen, die modellhaft unterschiedliche Sinnesebenen miteinander verschränken. So wie du (ich, die Red.) hier auf dem Stuhl sitzt, für diesen Raum hier, könnte ich innerhalb von zwei Stunden ein Stück schreiben, klingend, szenisch, mit einfachsten Mitteln. Das stellte für mich einfach eine geistige Notwendigkeit dar, als ich meine Arbeit angefangen habe, Ende der 70er, Anfang der 80er. Diese Reduktion. Weil hier ein Rahmen liegt, in dem Reichtum, Blüte entstehen kann.« Wie er im VAN-Interview erklärt, hätte Manos Tsangaris früher nie gedacht, dass er mal für Opernhäuser schreiben würde.

In VAN #35: Komponist Manos Tsangaris über das Theater mit der Musik.

Was: Am Rande des Wahnsinns, Inmitten, Überall und Nirgends: Das Sonar-Quartett erforscht in dieser Konzertreihe Randphänomene. Dieses mal mit Ming Tsaos Pathology of Syntax (2006-07), Beethovens Streichquartett No. 16. Außerdem: Juan Crisóstomo de Arriagas Streichquartett No. 2.

Raum und Zeit: 1. Juni, Villa Elisabeth Berlin

Zitat: »Wenn ich freiwillig Musik höre, dann nur, um kurzzeitig aus dem normalen Alltag auszusteigen.« Cosima Gerhardt vom Sonar-Quartett hat für die VAN-Playlist einen Song ausgesucht, der sie ganz sehnsüchtig macht.

In VAN #144: Kreisend neue Räume erschließen. Eine VAN-Playlist vom Sonar-Quartett.

Was: Gibt es heute noch die Privatsache? Mit diesem Thema beschäftigt sich die Münchener Biennale für neues Musiktheater. Special guests sind Daniel Libeskind, Navid Kermani, Saskia Sassen und Marlene Streeruwitz. Zu sehen gibt’s ausschließlich Musiktheater-Uraufführungen: Von Ondřej Adámek, Yasutaki Inamoris, Lam Lai, Clara Iannotta – um nur einige zu nennen.

Raum und Zeit: 2. bis 12. Juni, unterschiedliche Spielorte in München

Zitat: »Das Musiktheater ist heute ein großer Sammelbegriff, worunter ich auch Sachen wie die von Rimini Protokoll und Marthaler fassen würde, auch Schlingensief hat seine Arbeit immer als Musiktheater bezeichnet. Also nur, dass da jemand Partituren schreibt – das kann nicht das Kriterium sein. Wir hören heute anders, unser Finetuning ist unglaublich ausgeprägt.« Manos Tsangaris in VAN über seine Arbeit als Künstler und Kurator.

In VAN #35: In seinen eigenen Worten: Der Ko-Leiter Manos Tsangaris der Münchner Biennale für neues Musiktheater über homöopathische Kunst im Angesicht der medialisierten Welt.

Was: Bunkersalon transzendeath – Mit offenen Ohren denken: Wie klingt das Verschallen von Identität? Wie hören wir das Böse, was hören Rocko Schamoni und Charly Hübner in Mahler Neun? Im Gespräch mit Tim-Erik Winzer, kuratiert von Elisa Erkelenz. Danach gibt es dann noch ein platonisches Gelage mit Rotwein und Gin.

Raum und Zeit: 4. Juni, Resonanzraum St. Pauli, Hamburg

Zitat: »Ich habe mich dann immer weiter mit Mahler befasst, auch mit seiner Biographie, und war erschrocken, dass er nur 51 Jahre alt geworden ist und gerade aus heutiger Sicht auch ein krasser Workaholic war. Es war schön, als mich das Ensemble Resonanz gefragt hat, ob ich nicht Lust hätte, auf der Bühne über Mahlers Neunte zu sprechen.« Charly Hübner in VAN, der sich für den Bunkersalon Rocko Schamoni als Gesprächspartner gewünscht hat.

In VAN #103: Jordi Savall, Derya Yildirim und Senthuran Varatharajah im Bunkersalon über Identität und Kultur.

In VAN #158: Schauspieler und Regisseur Charly Hübner hört Mahler wie Schlager und mag keinen zu künstlichen Gesang – dafür Schubert und Werder Bremen. ¶