Unscharfes, Unvollendetes, Unerhörtes. Eine Oper ohne Held. Das Publikum in die Tasche stecken. Fantasie und Schweigen. Liebeserklärungen und eine Totenmesse.

Text VAN Redaktion · Titelbild © KAAPO KAMU · Datum 23.5.2018

Was: Fantasie und der Rest ist Schweigen: Frank Peter Zimmermann und das Gewandhausorchester unter der Leitung von Andris Poga mit Schumanns Violin-Fantasie in C-Dur und Hindemiths Kammermusik No. IV. Außerdem: Sibelius’ Zweite.

Raum und Zeit: 24. und 25. Mai, Gewandhausorchester Leipzig

Zitat: »Das eine sind ja Rätsel in der musikwissenschaftlichen Forschung über Robert Schumann und sein Werk, das andere offene Fragen, die sein Privatleben und seine psychische Erkrankung angehen. Die Art von Schumanns psychischer Erkrankung gilt eigentlich weiterhin als ungeklärt.« Editionsleiter Dr. Armin Koch in VAN über seine Arbeit an einer Neuen Robert-Schumann-Gesamtausgabe.

In VAN #97: What’s up with Schumann? Neues aus der Forschung.

Was: Ein unbefangener Blick aufs Unvollendete beim crescendo Musikfestival der UdK Berlin. Eröffnungsschubertiade mit Forelle & Oktett. Dabei sind unter anderem Nora Chastain, Hartmut Rohde und Konstantin Heidrich.

Raum und Zeit: Ab dem 25. Mai im Konzertsaal der UdK in der Bundesallee, Berlin

Zitat: »An der UdK ist man sehr stark sich selbst überlassen, es hängt von jedem Einzelnen ab, wie man sein Studium gestaltet. An anderen Hochschulen wie der Hanns Eisler bekommt man am Anfang des Semesters einen Stundenplan, wo genau draufsteht, welche Kurse man an welchem Tag zu machen hat. Bei uns kann man immer aus einem Riesenangebot an Fächern wählen. Leute, die gerne selber gestalten, profitieren davon.« Friedemann Slenczka, der Bratsche an der UdK bei Hartmut Rohde studiert, im VAN Magazin.

In VAN #144: Der leicht verrückte Tunnelblick – sechs Studierende berichten.

In VAN #154: Der Cellist Konstantin Heidrich über Schieflagen des Musikstudiums, Egozentrik, Selbstüberschätzung und den Ruf der Instrumentalpädagogik.

Was: Akustische Entdeckungsreisen mit programmatischen Widersprüchen beim blurred edges Festival für aktuelle Musik. Unter anderem mit Felix Kubin, dem Jazztrompeter Franz Hautzinger und dem Ensemble TonArt: Außerdem: Die Ensembles Horizonte, handwerk und Molot.

Raum und Zeit: ab dem 25. Mai an abwechslungsreichen Orten in Hamburg (die Eintrittshöhe ist einem selbst überlassen).

Zitat: »Als gebürtiger Hamburger muss ich als allererstes eine Lanze für den Hamburger Holger Hiller brechen, einen der ganz großen Pioniere der elektronischen Sampling-Musik. Seine Experimentierfreudigkeit und seine Bezüge zur klassischen Moderne haben zeitlose (Anti-)Hits […] hervorgebracht. Im Ausland wird er dafür verehrt, in Deutschland ist er eher einem Insiderpublikum bekannt.« Felix Kubin in VAN über Musik, die ihn geprägt hat und seine Heimatstadt.

In VAN #57: Felix Kubin stellt in einer VAN-Playlist seine liebsten Anarchisten, Amateure, Außerirdischen, Borderliner und Punks vor.

Was: Chants d‘amour: Der Tenor Julian Prégardien und Les Talens Lyriques in Begleitung des Cembalisten Christophe Rousset spielen vokale Kammermusik aus den französischen Salons des 17. Jahrhunderts. Darunter Werke von Michel Lambert, François Couperin, Jean-Philippe Rameau.

Raum und Zeit: 26. Mai, Swarovski Kristallwelten, Wattens und 27. Mai, WDR-Funkhaus, Köln

Zitat: »Das Cembalo war wie eine Zeitmaschine für mich, seit ich Kind war. Ein Weg, in eine vergessene, vergangene Welt einzutauchen, in die Zeit des Barock.« Christophe Rousset spricht in VAN von seiner Liebe zu barockem Repertoire und von zu wenig gespielten Komponisten.

In VAN #139: Der Cembalist und Dirigent Christophe Rousset über vergessene Italiener, sein Pop-Trauma und Notfall-Cembalo-Reparaturen.

Was: Oper ohne Helden: In Aus einem Totenhaus zeigt Leoš Janáček Einblicke in den immer gleichen, zermürbenden Lageralltag einzelner Gefangener. Mit dem Bayerischen Staatsorchester unter der Leitung von Simone Young in einer Inszenierung von Frank Castorf.

Raum und Zeit: 26. und 30. Mai 2018, Bayerische Staatsoper München

Zitat: »Männer in einem sibirischen Arbeitslager lamentieren, werden verhört und gefoltert, spielen mit Vögeln, bringen sich das Lesen bei, erkennen alte Feinde wieder, kämpfen und führen Pantomimen auf. Vor allem aber singen sie Musik von himmlischer Dissonanz, erzählen sich Geschichten, mit denen sie sich ihrer Menschlichkeit – auch in den schlimmsten Aspekten – versichern, im Angesicht von mörderischen Strafen.« Alison Kinney in VAN über das Werk von Leoš Janáček.

In VAN #01: Gegen den Kompromiss bis zur letzten Sekunde – Ein Treffen mit Simone Young.

In VAN #58: Eine Opernplaylist durch Totschlag und Aufruhr, Politik und Verbannung.

Was: Mirijam Contzen ist musikalische Leiterin des Musikfestival auf Schloss Cappenberg. Neben ihr spielen Nora Chastain, Latica Honda-Rosenberg, Hartmut Rohde, Konstantin Heidrich, Danjulo Ishizaka und weitere unter anderem Arnold Bax’ Quintett für Oboe und Streicher und Schuberts Fantasie zu vier Händen in f-Moll.

Raum und Zeit: noch bis zum 27. Mai, Schloss Cappenberg

Zitat: »Die meisten projektweise zusammengestellten Klavierquartette erarbeiten die Partitur nicht so wie es zum Beispiel ein festes Streichquartett tun würde, sondern gehen eher mit Adrenalin und Spaß ran.« Konstantin Heidrich in VAN.

In VAN #19: Aufnahmevergleich mit Mirijam Contzen.

In VAN #154: Der Cellist Konstantin Heidrich über Schieflagen des Musikstudiums, Egozentrik, Selbstüberschätzung und den Ruf der Instrumentalpädagogik.

Was: Berlioz’ Grande Messe des Morts bei den Kunstfestspielen Herrenhausen: Unter der Leitung von Ingo Metzmacher spielen die NDR Radiophilharmonie, das Orchester der Hochschule für Musik, Theater und Medien und neun hannoversche Chören das imposante Requiem. Im Anschluss: Stille und Umkehr von Bernd Alois Zimmermann.

Raum und Zeit: 27. Mai, Kuppelsaal des HCC, Hannover

Zitat: »Als Schuljunge bekam ich billige Karten für das Hallé-Orchester, es gab eine Bibliothek mit Partituren, wo ich dauernd hinging, und sehr schnell wurde Berlioz einer der Großen für mich, zusammen mit … ja, ich diskutierte ernsthaft mit mir selbst, welcher der Größte war: Bach oder Beethoven oder Berlioz?« Michel Austin in VAN, der gemeinsam mit seiner Frau Monir Tayeb seit 20 Jahren eine Website zu Hector Berlioz führt.

In VAN #107: Ein Besuch bei den beiden Machern einer der umfangreichsten Musikwebsites der Welt.

Was: REDDRESS: Pekka Kuusisto spielt Elektronisches und finnische Volksmusik. Dabei trägt der Geiger ein rotes Kleid von Künstlerin Aamu Song, das so riesig ist, dass er das Publikum wortwörtlich in die Tasche steckt: Der Saum des Kleides bedeckt den halben Saal, die Zuhörer*innen in jeweils eine der viele Taschen krabbeln (aber vorher Schuhe ausziehen!). Wer spricht da noch von Meghan Markles Hochzeitskleid?

Raum und Zeit: 29. Mai, Pierre Boulez Saal, Berlin

Zitat: »Als ich zurück nach Hause kam und nicht richtig weiter wusste, machte mich ein Freund auf traditionelle finnische Folk-Musik aufmerksam: Diese Leute könnten nie ein Sibelius-Konzert spielen, aber sie waren so viel glücklicher mit und in ihrer Musik als ich.« Pekka Kuusisto in VAN über seinen Zugang zu traditioneller Musik.

In VAN #00: VAN Playlist von Pekka Kuusisto: Eine (merkwürdige) Hommage an das Violinkonzert von Ligeti.

In VAN #67: Ein Gespräch mit dem finnischen Geiger, Experimentierer und Sibelius-Experten Pekka Kuusisto über Standard-Vibrato-Porno, »Glam-Classical« und weshalb es sich lohnen könnte, sich öfter mal zu kämmen.

Was: Unerhörte Musik: Das Zafraan Ensemble formiert sich als Jazzquartett. Mit Werken von Alexander Schubert, Stefan Keller, Rebecca Saunders, Johannes Boris Borowski, Carola Bauckholt und Josep Planells Schiaffino.

Raum und Zeit: gejazzt wird am 29. Mai im BKA Theater Berlin

Zitat: »Wir wollen gemeinsam eine systematische Formulierung aller möglichen emotionalen Zustände, die wir mit der Musik oder gar mit der Kunst verbinden, finden. Durch Musik, Tanz und Bewegung… Tanz: unbedingt! Tanzen ist das allererste! Für uns ist Bewegung auf der Bühne, aber vor allem während des Probens sehr wichtig, um zusammen zu einem tieferen gemeinsamen Verständnis des Stücks zu kommen.« Das Zafraan-Ensemble in VAN sucht andere Sphären des Soziallebens.

In VAN #124: Eine Playlist für radfahrende Eurozentrismus-Kritiker_innen – vom Zafraan Ensemble und anderen.

In VAN #126: Bestes Konzert, größter Aufruhr, interne Querelen, interne Freuden. Der VAN-Steckbrief zum Zafraan-Ensemble.

Was: Das Orchester Wiener Akademie dirigiert von Martin Haselböck mit Emma Black und Jean-Guihen Queyras. Mozarts Prager und Pariser Symphonie – beide in D-Dur, sowie Haydns Cellokonzert und Oboenkonzert – beide in C-Dur.

Raum und Zeit: 29. Mai, Musikverein Wien

Zitat: »Bei uns Bühnenkünstlern kann das Bedürfnis, geliebt zu werden, ein wirklicher Feind werden. ›Wir brauchen euch im Saal, bitte, bitte liebt mich, damit ihr meiner Existenz Sinn gebt.‹ Es ist normal, dass das so ist, wahrscheinlich ist es am Anfang auch ein Teil der Inspiration, die uns dazu geführt hat, unser Leben lang zu spielen und zu üben. Aber dieses Bedürfnis kann uns auch sehr dabei im Weg stehen, zu einer wahrhaft freien Interpretation zu gelangen, bei der man sagt, ›Bach ist für mich so. Ich habe euch lieb, aber ich werde keine Kompromisse machen, weil es noch etwas Wichtigeres gibt‹.« Jean-Guihen Queyras in VAN.

In VAN #135: Ein Interview mit dem Cellisten Jean-Guihen Queyras über den Tod als schöpferische Kraft und die Bedürftigkeit als Feind des Künstlers.

Was: Noch mehr Utopisches mit dem Musikfest Hamburg. Unter anderem Stockhausens Klavierstücke mit Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich (23. Mai), das Tetzlaff Quartett (25. Mai) und Sarah Maria Sun (26. Mai).

Raum und Zeit: Noch bis zum 30. Mai, Elbphilharmonie und weitere Orte in Hamburg

Zitat: »Mit vielen anderen Menschen teile ich die Utopie, dass in einem künftigen postkapitalistischen Zeitalter alle Individuen, Unternehmen und Nationen so handeln, dass ein Überleben aller Kreaturen auf diesem Planeten möglich wird. Mit totalem Unverständnis betrachte ich dagegen die sogenannten Intellektuellen, die meinen, ein gepflegter deutscher Schrebergarten ohne störende Fremde sei eine erstrebenswerte Utopie.« Die Sopranistin Sarah Maria Sun im VAN-Interview über ihre Utopien.

In VAN #153: VAN-Sonderausgabe »Utopie« präsentiert vom 3. Internationalen Musikfest Hamburg. ¶